Das Dach ist undicht. Wann war der Sturm?
Dipl.-Ing. (FH) Axel Opp · IGO Ingenieurgesellschaft Opp, seit 1998 über 60.000 Schadenfälle
Ein feuchter Fleck an der Decke, Wasser auf dem Dachboden: Oft fällt ein Sturmschaden am Dach erst auf, wenn Tage oder Wochen später der nächste Regen kommt. Dann fragt die Versicherung, wann der Sturm war, und ob es überhaupt ein Sturm war.
Ab wann ein Wind als Sturm gilt
In den meisten Wohngebäude- und Hausratverträgen gilt ein Wind erst ab 62 km/h (Windstärke 8) als Sturm. Entscheidend ist der Wind am Schadenort, nicht in der nächsten Großstadt. Liegt der Wind darunter, ist der Schaden in der Regel kein Sturmschaden im Sinne des Vertrags, auch wenn es sich draußen heftig angefühlt hat.
Die nächste Wetterstation steht oft viele Kilometer entfernt, und Böen schwanken auf kurze Entfernung stark: Ein Haus auf einer Anhöhe oder am freien Feld bekommt mehr Wind ab als eines im Tal zwischen Bäumen. Viele Verträge sehen deshalb vor, dass ein Sturm angenommen wird, wenn in der Umgebung andere, intakte Gebäude ebenfalls Sturmschäden hatten, oder wenn der Schaden an einem gut erhaltenen Gebäude nur durch Sturm entstanden sein kann. Wie das in Ihrem Vertrag geregelt ist, steht in den Bedingungen.
Warum der Tag so wichtig ist
Regen, der durch eine vom Sturm gerissene Öffnung eindringt, gehört meist zum Sturmschaden. Regen, der durch eine alte, undichte Stelle kommt, dagegen nicht. Die Versicherung will deshalb wissen, ob vor dem Wassereintritt ein Sturm war, der die Ziegel gelöst haben kann. Ein Sturm drei Monate vorher erklärt einen Wasserschaden von heute schlechter als einer in der Woche davor.
Prüfen Sie deshalb den Zeitraum zwischen dem letzten Tag, an dem sicher alles dicht war, und dem Tag, an dem Sie den Schaden bemerkt haben. In unserer Erstbewertung sehen Sie für jeden Tag die stärksten Böen an Ihrer Adresse und ob die Grenze von 62 km/h erreicht wurde.
Was Sie jetzt tun sollten
- Dichten Sie das Dach vorläufig ab oder lassen Sie es abdichten, damit nicht mehr Wasser eindringt. Das wird von Ihnen erwartet, und die Kosten dafür ersetzt die Versicherung in der Regel mit.
- Fotografieren Sie vorher den Schaden: das Dach von außen, soweit gefahrlos möglich, den Dachboden, die Decke. Machen Sie Übersichtsbilder und Nahaufnahmen.
- Heben Sie heruntergefallene oder zerbrochene Ziegel auf. Sie zeigen, ob sie vom Wind abgehoben wurden oder schon vorher brüchig waren.
- Schauen Sie, ob Nachbarhäuser ebenfalls Schäden haben, und fotografieren Sie diese, wenn es geht. Notieren Sie Zeitungsberichte über den Sturm.
- Lassen Sie den Dachdecker im Angebot oder in der Rechnung beschreiben, was er vorgefunden hat.
Die Versicherung achtet auch auf den Zustand des Dachs vor dem Sturm. Alte Rechnungen über Wartung oder Reparaturen helfen, wenn behauptet wird, der Schaden komme vom Alter.
Wie stark war der Wind an Ihrem Haus?
Geben Sie Ihre Adresse und den Zeitraum ein. Sie sehen kostenlos die stärksten Böen an Ihrem Ort für jeden Tag und ob die Sturmgrenze erreicht wurde.
Wind an meiner Adresse prüfenDieser Ratgeber erklärt die technische Seite. Was Ihr Vertrag abdeckt, steht in Ihren Versicherungsbedingungen; bei Fragen zur Deckung hilft Ihr Versicherer oder ein Versicherungsberater.